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Fledermaus gehalten von Hand mit Handschuh

HIOH startet INFORBIO-Projekt zu Waldschutz und Zoonosen

Erste Feldmission legt den Grundstein für ein Zoonosen-Frühwarnsystem in der Zentralafrikanischen Republik

INFORBIO ist ein multidisziplinäres Projekt, das nachhaltige Land- und Forstwirtschaft mit mobilen Gesundheitsangeboten und dem Aufbau eines Frühwarnsystems für zoonotische Erkrankungen verbindet. Übergeordnetes Ziel ist es, Wälder als natürliche Barrieren gegen die Ausbreitung zoonotischer Krankheiten zu schützen und gleichzeitig die Lebensgrundlagen der Bevölkerung in abgelegenen Regionen der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) und Kameruns zu verbessern.

Der WWF Deutschland koordiniert das Projekt gemeinsam mit dem WWF in der ZAR und in Kamerun, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO) und weiteren lokalen und internationalen Partnern. Das HIOH übernimmt im Projekt den Aufbau eines Frühwarnsystems für Zoonosen in drei Zielregionen: den Dzanga-Sangha-Schutzgebieten (ZAR), dem Campo-Ma’an-Nationalpark (Kamerun) und dem Lobéké-Nationalpark (Kamerun). Dafür werden die Forschenden regelmäßig Proben von Wildtieren, Wildfleisch (Bushmeat) und aus der Umwelt nehmen und sie in den kommenden fünf Jahren in Laboren vor Ort analysieren. 

Nach dem Start von INFORBIO im Oktober 2024 hat das HIOH nun offiziell mit seiner Feldarbeit im Rahmen des Projekts begonnen – mit einer ersten sechswöchigen Feldmission in der ZAR. 

Ein gemeinsames Forschungsteam aus Mitgliedern der HIOH-Arbeitsgruppe „Ökologie und Entstehung von Zoonosen“ und zentralafrikanischen Kolleginnen und Kollegen der One Health-Arbeitsgruppe des WWF ZAR war dafür ab Oktober 2025 vor Ort im Einsatz. Zum Auftakt führten sie Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern indigener und nicht-indigener lokaler Gemeinschaften und stellten das Projekt vor. Anschließend wählten sie geeignete Standorte für den Fang von Kleinsäugern aus, vom dichten Regenwald bis hin zu Dorfrändern und Wohngebieten. Mithilfe von Lebendfallen fingen die Forschenden an diesen Standorten mehr als 200 Nagetiere und Fledermäuse, darunter Mäuse und Riesenhamsterratten sowie verschiedene Fledermausarten, die für Krankheitsübertragungen relevant sind. Diese wurden anschließend minimalinvasiv beprobt, d.h., es wurden u.a. Abstriche und kleine Blutproben genommen. Zusätzlich wurden an allen Standorten Aasfliegen gesammelt, die beim Kontakt mit Kadavern und Fäkalien genetische Spuren aufnehmen und so Hinweise auf Krankheitserreger in der Umgebung liefern. 

Das während dieser ersten Feldphase etablierte Vorgehen wird in den kommenden Jahren regelmäßig wiederholt und bildet zusammen mit der bereits bestehenden Überwachung der Wildtiersterblichkeit (Monitoring von Tierkadavern), dem Gesundheitsmonitoring von Gorillas sowie der Untersuchung von lokal gejagtem und verkauftem Bushmeat die Grundlage eines umfassenden Monitoring-Systems für zoonotische Erreger. 

Nach ihrem ersten INFORBIO-Feldeinsatz ziehen die Forschungsteams eine positive Bilanz: Alle beteiligten Communities zeigten großes Interesse und sind bereit, sich in den kommenden Jahren aktiv einzubringen. Die Standorte für das regelmäßige Kleinsäuger-Monitoring haben sich als geeignet erwiesen – sie wurden sorgfältig ausgewählt unter Berücksichtigung lokaler Erfahrungen, topografischer Gegebenheiten und sicherheitsrelevanter Aspekte, insbesondere um gefährliche Begegnungen mit Elefanten zu vermeiden. Die Artenvielfalt der Kleinsäuger, insbesondere der Fledermäuse, war in dieser Pilotphase bemerkenswert hoch. Zudem konnte das HIOH-Team seine lokalen wissenschaftlichen Partner vom WWF in sicheren Fang- und Probenahmemethoden schulen. Dadurch können diese die Surveillance-Aktivitäten künftig selbstständig fortführen und auf weitere Standorte ausweiten.

In den kommenden Monaten werden die gesammelten Proben auf ausgewählte zoonotische Erreger untersucht. Darunter sind auch solche, die in der Vergangenheit wiederholt zu Krankheitsausbrüchen in der lokalen Bevölkerung geführt haben, etwa das Affenpockenvirus, der Erreger von Mpox. Das voll ausgestattete molekularbiologische Labor in Bayanga (DSPA) – kürzlich gemeinsam vom WWF und HIOH eingerichtet und feierlich eingeweiht – bietet hierfür ideale Voraussetzungen. Die Ergebnisse der systematischen Probenahme werden helfen, Gebiete mit erhöhtem Risiko für Erregerübertragungen (Spillover) zu identifizieren, und die zugrundeliegenden Dynamiken besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse sind ein wichtiger Schritt zur Entwicklung wirksamer und frühzeitiger Gegenmaßnahmen.

Projektsteckbrief

Projektname: INFORBIO – INtact and effectively managed FORests and BIOdiversity as natural barriers to mitigate climate change and risk of pathogen spillover
Forschungsstandorte: Dzanga-Sangha-Schutzgebiete (DSPA), Zentralafrikanische Republik; Lobéké-Nationalpark (LNP), Kamerun; Campo-Ma’an-Nationalpark (CMNP), Kamerun
Schwerpunkte: Waldschutz und Wiederherstellung degradierter Landschaften, Stärkung lokaler und indigener Gemeinschaften, Biodiversitätsmonitoring, One Health-Ansatz & Entwicklung eines Frühwarnsystems für Zoonosen, Governance, nachhaltige Nutzung und Management von Schutzgebieten
Konsortium: World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland (Koordination), WWF Zentralafrikanische Republik, WWF Kamerun, University College London (UCL) mit Project Bwanga, International Institute of Tropical Agriculture (IITA), Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO), lokale Behörden, Forschungseinrichtungen und Vertreterinnen und Vertreter der Communities
Laufzeit: 2024–2030 (6 Jahre)
Förderung: Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Wissenschaftliche Leitung am HIOH: Lorenzo Lagostina und Livia V. Patrono
 

Weitere Informationen

INFORBIO-Projekthomepage
FAO-Webstory zum Projektstart
A shield for the world – Video des WWF Deutschland
Homepage des Projektträgers ZUG