DE | EN | FR
DE | EN | FR

Dr. Livia Victoria Patrono

Über

Livia Victoria Patrono ist Tierärztin und arbeitet im Bereich zoonotischer Infektionskrankheiten. Zu ihren zentralen Forschungsschwerpunkten gehören die Untersuchung der Pathogenübertragung an der Mensch-Wildtier-Schnittstelle in Subsahara-Afrika, die Entwicklung von Methoden zur Pathogen-Genomik aus nicht-invasiven Proben und die Mitwirkung an der raschen Eindämmung von Krankheitsausbrüchen.

Während ihrer Doktorarbeit, die sich mit dem Wirtsspektrum und dem Tropismus tierischer Influenza-A-Viren beschäftigte, nahm sie an Diagnose- und Forschungsaktivitäten des italienischen WOAH/FAO-Referenzzentrums für zoonotische Krankheiten in Padua, Italien, teil. Dort lernte sie eine Vielzahl von Laborverfahren kennen – von klassischer Virologie über die Molekularbiologie bis hin zu Ex-vivo-Modellen, sowie Programme zur Krankheitsüberwachung in Tier- und Menschenpopulationen.

Um Erfahrung in der Feldforschung zu sammeln und ihre Fähigkeiten im Bereich der Epidemiologie zu erweitern, schloss sie sich 2016 mit einem Alexander-von-Humboldt-Postdoktorandenstipendium der Projektgruppe „Epidemiologie hochpathogener Mikroorganismen“ am Robert Koch-Institut in Berlin an. Dort spezialisierte sie sich auf die Entwicklung von Labortechniken zur Gewinnung vollständiger Genome von Atemwegs¬erregern und von Affenpockenviren aus nicht-invasiven Wildtierproben (z. B. Kot oder Reste von Frucht-Mahlzeiten). Außerdem war sie in Côte d’Ivoire, der Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik tätig, wo sie sowohl Programme zur Überwachung der Wildtiergesundheit als auch Laboruntersuchungen vor Ort zur frühzeitigen Identifizierung von Krankheitsausbrüchen unterstützte.

Im Jahr 2021 wechselte sie als Wissenschaftlerin in die Abteilung „Ökologie und Entstehung von Zoonosen“ am Helmholtz-Institut für One Health in Greifswald. Ihre Forschung untersucht die wechselseitige Übertragung zoonotischer Krankheitserreger an verschiedenen Mensch-Tier-Schnittstellen. Zentrale Themen sind unter anderem die Ökologie des Affenpockenvirus in Wildtierpopulationen und die sich verändernde Epidemiologie von Mpox beim Menschen sowie die Übertragung menschlicher Atemwegsviren und -bakterien auf wildlebende Menschenaffen.
Derzeit führt Livia Feldforschung in vier afrikanischen Ländern durch (Zentralafrikanische Republik, Republik Kongo, Côte d’Ivoire und Kamerun) und leitet die Arbeiten wissenschaftlich, darunter auch das INFORBIO-Projekt. Dabei arbeitet sie mit lokalen Partnern zusammen, um Proben von Wildtieren und Menschen zu sammeln und so die Dynamik der Erregerübertragung besser zu verstehen. Die Forschung zielt darauf ab, Mechanismen zoonotischer Spillover-Ereignisse zu identifizieren und daraus effektive Präventionsstrategien abzuleiten.

Neben ihrer Forschungstätigkeit ist Livia seit 2015 aktives Mitglied des Global Outbreak Alert and Response Network (GOARN) der WHO. Im Rahmen dieses Netzwerks war sie während der Ebola-Epidemie in Westafrika (2013–2016) als Laborexpertin in Sierra Leone und Guinea tätig. Zu Beginn der COVID-19-Pandemie unterstützte sie außerdem einen Einsatz im Flüchtlingslager Kara Tepe in Griechenland.


Ausgewählte Publikationen

Google Scholar

Transmission of MPXV from fire-footed rope squirrels to sooty mangabeys. (2026) Riutord-Fe C*, Schlotterbeck J*, Lagostina L, Kouadio L, Herridge HR, Jochum MJS, Noma NY, López-Morales A, Hoffmann D, Calvelage S, Kühl H, Mielke A, Crockford C, Samuni L, Wittig RM, Beer M, Gonedelé-Bi S, Gogarten JF, Calvignac-Spencer S*, Düx A*, PatronoLV*, Leendertz FH*.Nature, February 11 2026. DOI: 10.1038/s41586-025-10086-y


Genomic epidemiology of clade Ia monkeypox viruses circulating in the Central African Republic in 2022-24: a retrospective cross-sectional study. (2025) Malaka CN*, Patrono LV*, Tombolomako TB, Farra E, Sibiro O, Garba-Ouangolé S, Selekon B, Lemon CG, Mbrenga F, Souma A, Lorke J, Düx A, Semdouto JH, Singa Niatou FS, Kandou JK, Raphaël M, Moyen JM, Kalthan E, Sako E, Ngbeadego-Soukoudoupou A, Kpahina OA, Lemey P, O’Toole A, Rambaut A, Somse P, Calvignac-Spencer S*, Nakoune E*, Leendertz FH*, Boum II Y*. The Lancet Microbe 6 (10) 101173. DOI: 10.1016/j.lanmic.2025.101173

Archival influenza virus genomes from Europe reveal genomic variability during the 1918 pandemic. (2022) Patrono LV*, Vrancken B*, Budt M*, Düx A, Lequime S, Boral S, Gilbert MTP, Gogarten JF, Hoffmann L, Horst D, Merkel K, Morens D, Prepoint B, Schlotterbeck S, Schuenemann VJ, Suchard MA, Taubenberger JK, Tenkhoff L, Urban C, Widulin N, Winter E, Worobey M, Leendertz FH, Schnalke T, Wolff T, Lemey P, Calvignac-Spencer S. Nature Communications 13, 2314. DOI: 10.1038/s41467-022-29614-9

Non-invasive genomics of respiratory pathogens infecting wild great apes using hybridisation capture. (2022) Patrono LV, Röthemeier C, Kouadio L, Couacy-Hymann E, Wittig RM, Calvignac-Spencer S, Leendertz FH. Influenza and Other Respiratory Viruses 16:858–861. DOI: 10.1111/irv.12984

Monkeypox virus emergence in wild chimpanzees reveals distinct clinical outcomes and viral diversity. (2020) Patrono LV*, Pléh K*, Samuni L, Roethemeier C, Sachse A, Muschter S, Nitsche A, Wittig RM, Calvignac-Spencer S, Leendertz F. Nature Microbiology 5(7), 955–965. DOI: 10.1038/s41564-020-0706-0

Absence of adaptive evolution is the main barrier against influenza emergence in horses in Asia despite frequent virus interspecies transmission from wild birds. (2019) Zhu H*, Damdinjav B*, Gonzalez G*, Patrono LV*, Ramirez-Mendoza H, Amat JAR, Crispell J, Parr YA, Hammond TA, Shiilegdamba E, Leung YHC, Peiris M, Marshall JF, Hughes J, Gilbert M, Murcia PR. PLoS Pathogens 15(2): DOI: 10.1371/journal.ppat.1007531.

Human coronavirus OC43 outbreak in wild chimpanzees, Côte d´Ivoire, 2016. (2018) Patrono LV, Samuni L, Corman VM, Nourifar L, Röthemeier C, Wittig RM, Drosten C, Calvignac-Spencer S, Leendertz FH. Emerging Microbes and Infections, 7(1):118. DOI: 10.1038/s41426-018-0121-2.